{"id":257,"date":"2016-07-25T06:52:53","date_gmt":"2016-07-25T06:52:53","guid":{"rendered":"http:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/?p=257"},"modified":"2017-01-08T17:50:42","modified_gmt":"2017-01-08T17:50:42","slug":"die-gegenstandsfrage-in-der-psychologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/grundlagen-der-psychologie\/die-gegenstandsfrage-in-der-psychologie\/","title":{"rendered":"Die Gegenstandsfrage in der Psychologie"},"content":{"rendered":"<h4>Einleitung: \u201eDie Psychologie ist ein besonders sicherer Typ von Wissen\u201d<\/h4>\n<p>Wir betrachten zur Einleitung das offizielle Narrativ, mit welchem die Psychologie gerne im Disziplin-Aussen-Verh\u00e4ltnis auftritt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>erstens:<\/strong> Fundamentalwissenschaft<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Das offizielle Narrativ schildert die Psychologie weniger als Einzelwissenschaft, denn viel mehr als Fundamentalwissenschaft, die den anderen Disziplinen an Sicherheit und Leistungsf\u00e4higkeit voransteht, gewisserma\u00dfen sogar deren Grundlage bilde, da sie &#8211; entsprechend dem empiristischen Dogmatismus &#8211; einem hintergr\u00fcndigeren und vor allem<span style=\"text-decoration: underline;\"> unwiderlegbaren<\/span>, weil auf unmittelbarer Anschauung beruhendem Wissen, basiere.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>zweitens:<\/strong> Mathematische Pr\u00e4zision &amp; pure Rationalit\u00e4t<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Die Psychologie &#8211; gerade als Fundamentalwissenschaft &#8211; stellt sich gerne dar als Unterdisziplin der Mathematik. Das Kalk\u00fcl ist offensichtlich. Die Botschaft: Psychologie ist eine Wissenschaft mit mathematischer Exaktheit.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Psychologisches Wissen sei im Kern nichts weiter als \u201eDatenerhebung\u201d und \u201eDatenauswertung\u201d &#8211; und nichts dar\u00fcber hinaus. Also \u201edogmenunabh\u00e4ngige,\u00a0 objektive Rationalit\u00e4t.\u201d<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>drittens:<\/strong> Selbstreflexion<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Aber damit nicht genug. Schauen wir uns die \u00fcberh\u00f6hte und absurd unkritische Verheiligung der Psychoanalyse durch Habermas an, wie sie typisch f\u00fcr die sog. \u201eIntellektuellen\u201d ist. In dem Werk \u201eErkenntnis und Interesse\u201d findet sich eine Instanz des Narrativs \u00fcber das zweite Attribut, welches der Psychologie neben ihrem hintergr\u00fcndigeren Erkenntnisbasis beigelegt wird. N\u00e4mlich ein schier \u00fcberdurchschnittliches Ma\u00df an Selbstreflexion.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Entsprechend hei\u00dft das Kapitel auch \u201eSelbstreflexion als Wissenschaft: Freuds psychoanalytische Sinnkritik.\u201d Da\u00df hier Freud im Fokus steht soll uns nicht st\u00f6ren. Die Zuschreibungen bleiben auch bei sich \u00e4ndernden psychologischen Schulen stets dieselben.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>viertens:<\/strong> Fortschritt (siehe Abgrenzungskriterien [in Arbeit] )<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Der Disziplin wird Fortschritt in der Weise nachgesagt, soda\u00df a) die Psychologie durch den Fortschritt den naiven Seelenglauben vergangener Tage in Wissenschaft transformiere und b) qua ihrer Fortschrittlichkeit <em>vorher nicht f\u00fcr denkbar gehaltene Erkenntnisse und Resultate<\/em> auf den fremden Gebieten anderer Einzelwissenschaften erreiche.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich ein gewaltiger Anspruch, den das Selbstbildnis der Psychologie hier \u00fcber ihre Stellung unter den Wissenschaften erhebt.<\/p>\n<p>Betrachten wir einleitend ein paar Beobachtungen \u00fcber die \u201ewissenschaftliche Seelenlehre\u201d, die wir weiter unten noch vertiefen werden.<\/p>\n<p><strong>Problemaufriss: Das Narrativ steht im Gegensatz zu einigen Feststellungen<\/strong><\/p>\n<p>Gruppe I: Mangel an Theoriebezug<\/p>\n<blockquote>\n<ol>\n<li>\u00bb Das Zustandekommen psychologischer Aussagen aus allgemeinen Prinzipien ist nicht erkennbar.<\/li>\n<li>\u00bb Eine Menge von Aussagen l\u00e4sst sich nicht eindeutig in eine Menge psychologischer und nicht-psychologischer Ausdr\u00fccke (\u201eHochstapelei\u201d, \u201eFalschm\u00fcnzerei\u201d) einteilen.<\/li>\n<li>\u00bb Psychologische \u00dcberzeugungen sind beliebig: Auf die Frage, warum man heute davon ausgeht, da\u00df Telepathie und Psychokinese nicht funktionieren &#8211; w\u00e4hrend andere Beeinflussungen der \u201ePsyche\u201d auf die \u201eMaterie\u201d sehr wohl f\u00fcr m\u00f6glich gehalten werden &#8211; kann eine Psychologie, ohne \u00fcber theoretischen Hintergrund von der Psyche zu verf\u00fcgen, nur antworten: \u201eWeil die anderen Phantasmorgien aus der Mode gekommen sind.\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<\/blockquote>\n<p>Gruppe II: Disziplin<\/p>\n<blockquote>\n<ol>\n<li>\u00bb Ohne einheitliche Begriffsbestimmung des<br \/>\n\u203aPsyche\u2039-Begriffs ist die Einheit der Disziplin aufgehoben. Es l\u00e4sst sich betreffs der Disziplin nicht feststellen, wie viele \u201ePsychologien\u201d es der Zahl nach gibt.<\/li>\n<li>\u00bb Betreffs der Unterarten der Psychologie ist nicht eindeutig (relativ abschlie\u00dfend) festzustellen, welche und wie viele sie sind.<\/li>\n<\/ol>\n<\/blockquote>\n<h4>Begriffsbestimmung<\/h4>\n<p>Eine Disziplin gr\u00fcndet sich auf der <strong>g\u00fcltigen Bestimmung ihres Forschungsgegenstandes<\/strong>, d.h. ihres spezifischen Geltungsbereiches.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u00bb<strong> Charakterologie<\/strong> macht Ans\u00e4tze dazu, eine Wissenschaft zu hei\u00dfen. [&#8230;] Noch ung\u00fcnstiger scheint es f\u00fcr die neue Disziplin, da\u00df ihr Gegenstand, der Charakter, keine Realit\u00e4t besitzt, da\u00df also, <span style=\"text-decoration: underline;\">wie die Psychologie ohne Psyche<\/span> mit den alten Worten weiter arbeitet, auch die Charakterologie eine<a class=\"zenoTXKonk\" title=\"Faksimile\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Mauthner-1923\/K\/mauthnerwbp-001-0184\" name=\"184\"><\/a> gleichberechtigte Wissenschaft werden will, uns aber niemals verraten wird, <span style=\"text-decoration: underline;\">was denn Charakter eigentlich sei<\/span>.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>\u2013 Mauthner, Franz: W\u00f6rterbuch der Philosophie<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>Forderung, dass der Begriff scharf begrenzt sei (Frege):<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left; padding-left: 30px;\"><em>\u201eEine Definition eines Begriffes (m\u00f6glichen Pr\u00e4dikates) muss vollst\u00e4ndig sein, sie muss f\u00fcr jeden Gegenstand unzweideutig bestimmen, ob er unter den Begriff falle (ob das Pr\u00e4dikat mit Wahrheit von ihm ausgesagt werden k\u00f6nne) oder nicht. [&#8230;] Wenn man sich Begriffe ihrem Umfang nach durch Bezirke in der Ebene versinnlicht, so ist das freilich ein Gleichnis, das nur mit Vorsicht gebraucht werden darf, hier aber gute Dienste leisten kann. Einem unscharf begrenzten Begriffe w\u00fcrde ein Bezirk entsprechen, der nicht \u00fcberall eine scharfe Grenzlinie h\u00e4tte, sondern stellenweise ganz verschwimmend in die Umgebung \u00fcberginge. Das w\u00e4re eigentlich gar kein Bezirk; und so wird ein unscharf definirter Begriff mit Unrecht Begriff genannt. Solche begriffsartigen Bildungen kann die Logik nicht als Begriffe anerkennen; es ist unm\u00f6glich, von ihnen genaue Gesetze aufzustellen. Das Gesetz des ausgeschlossenen Dritten ist ja eigentlich nur in anderer Form die Forderung, dass der Begriff scharf begrenzt sei. Ein beliebiger Gegenstand \u0394 f\u00e4llt entweder unter den Begriff \u03c6, oder er f\u00e4llt nicht unter ihn: tertium non datur.\u201d<\/em><br \/>\n\u2013 Frege, Gottlob: Grundgesetze der Arithmetik (Band II, \u00a7 56)<\/p>\n<p>Wir sehen unschwer ein, da\u00df diese Forderung von dem Begriff der \u201ePsyche\u201d, mit dem die \u201ePsycho-logie\u201d so erfolgreich operiert, ausgesagt werden kann.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Es existiert keine allgemein anerkannte Definition davon, was eine \u201ePsyche\u201d sein soll.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Man kann &#8211; aber nur scherzhaft &#8211; dazu anf\u00fcgen, da\u00df zumindest Einigkeit \u00fcber die dogmatische Lehrmeinung dar\u00fcber besteht, da\u00df es eine \u201ePsyche\u201d <em>gibt<\/em> und diese also irgendwie irgendwas verursacht.<\/p>\n<p><strong>Vorfrage: Kann eine \u203aPsyche\u2039 \u00fcberhaupt zum Gegenstand von akademischen Wissen werden?<\/strong><\/p>\n<p>Erheblich ist ebenfalls die Vorfrage, ob und unter welchen Umst\u00e4nden eine \u203aPsyche\u2039 <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>\u00fcberhaupt zum Gegenstand von (wissenschaftlichem) Wissen werden kann<\/em><\/span>, oder ob es sich bei ihr nicht \u00fcberhaupt eher um Spekulation s\u00e4kularisierter Religion, um Nichtwissen bzw. Antiwissen, handelt.<\/p>\n<p>Das \u201ePsychische\u201d ist eine Teilmenge des \u201eParanormalen.\u201d<\/p>\n<p>K\u00f6nnen UFOs, Gespenster, das Monster von Loch Ness, der Yeti, Hellsehen,\u00a0 und all der \u00fcbrige Volksaberglaube, die viele von uns noch immer glauben, etwa zum Gegenstand akademischer Forschung werden?<\/p>\n<p>Wenn wir also bei einer Hierarchisierung von Engeln nicht von \u201ewissenschaftlichen Ergebnissen\u201d sprechen wollen, aufgrund welcher besonderer Umst\u00e4nde sollten wir dann die Zergliederung (analysis) einer \u203aSeele\u2039 f\u00fcr etwas anderes halten als ebenfalls obskure Spekulation?<\/p>\n<p>Und warum sollten wir bestmmten Individuen (\u201ePsycho-logen\u201d) eine besondere Einsicht (\u03bb\u03cc\u03b3\u03bf\u03c2) in dieses obskure \u201eWissensgebiet\u201d zu- oder nicht zuerkennen? Zum Seelen-Gelehrten per Diplom?<\/p>\n<h4>Die Auswahl und Abgrenzung des Geltungsbereichs<\/h4>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>Eine Wissenschaft ist ein System von Aussagen \u00fcber einen bestimmten Geltungsbereich.<\/strong><\/p>\n<p>Entscheidet man die og. Vorfrage mit einem &#8216;ja&#8217;, dann muss durch eine g\u00fcltige <em>Begriffsbestimmung des Forschungsgegenstandes<\/em> jener Bereich der durch die Disziplin legitim zu bearbeitenden Gegenst\u00e4nde sowie der Bereich legitimer Fragestellungen eingeschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n<p>Die g\u00fcltige Bestimmung des Forschungsgegenstand und damit eines legitimen Bereiches von Forschungsthemen ist die Vollzugsgrundlage jeder Disziplin und damit von \u00e4usserster Wichtigkeit f\u00fcr eine solche.<\/p>\n<h4><strong>\u201ePsychologie ohne Psyche, Theorie ohne Gegenstand\u201d<\/strong><\/h4>\n<p>Bisher konnte jedoch noch keine Einigung dar\u00fcber erzielt werden, <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>was<\/em><\/span> \u00fcberhaupt der Forschungsgegenstand der Psychologie ist.<\/p>\n<p><em>Dabei ist das\u00a0Problem der Gegenstandsfrage f\u00fcr die Existenz einer Psychologie als akademischer Wissenschaft nicht weniger wichtig, als eine plausible L\u00f6sung des\u00a0Leib-Seele-Problems.<\/em><\/p>\n<p>Die Frage nach dem eigentlichen Forschungsgegenstand und damit dem Geltungsbereich psychologischer Untersuchungen, Fragestellungen und schlie\u00dflich der Abgrenzung von anderen Disziplinen ist f\u00fcr die Frage der Existenzberechtigung der Psychologie als akademische Disziplin im mindesten von so zentraler Bedeutung wie die L\u00f6sung des Leib-Seele-Problems.<\/p>\n<p>Die Kontroverse um die Gegenstandsfrage in der Psychologie als wissenschaftliche Disziplin wurde in den 70er Jahren so brisant, da\u00df ihr eigens die Monographie &#8216;<em>Eberlein\/Pieper (Hg.): Psychologie &#8211; Wissenschaft ohne Gegenstand?<\/em>&#8216; gewidmet wurde.<\/p>\n<p>Bekannt geworden ist sie unter der Bezeichnung &#8216;Herrmann-Kirchhoff Kontroverse.&#8217; Die Psychologie ist damals genausowenig zu einem Ergebnis gekommen, wie sie bis heute zu einem Ergebnis bez\u00fcglich des Leib-Seele-Problems gekommen ist.<\/p>\n<p>Und dennoch konnten und wollten auch bis heute die an Universit\u00e4ten t\u00e4tigen Psychologen keine Einigkeit dar\u00fcber erreichen was eigentlich Gegenstand ihrer Forschung ist.<\/p>\n<h4><strong>Nichtssagende Nominaldefinition<\/strong> statt wissenschaftlicher Begriffsbestimmung<\/h4>\n<p>Die psychologischen Lehrb\u00fccher enthalten regelm\u00e4\u00dfig eigent\u00fcmlicherweise keine Definition des Begriffs der \u203aPsyche\u2039.<\/p>\n<p>Stattdessen enthalten Lehrb\u00fccher der Psychologie regelm\u00e4\u00dfig die Frage \u201eWas ist Psychologie?\u201d Die Antwort besteht aber stets nur aus einer nichtssagenden Nominaldefinition. Groeben\/Westmeyer geben einige Beispiele in <em>&#8216;Kriterien<\/em><br \/>\n<em>psychologischer Forschung. S.17&#8242;:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>\u00bbPsychologie ist die Wissenschaft von den Inhalten und den Vorg\u00e4ngen des geistigen Lebens, oder, wie man auch sagt, die Wissenschaft von den Bewulkseinszust\u00e4nden und Bewufetseinsvorg\u00e4ngen.<\/li>\n<li>\u00bbPsychologie . . stellt sich . . vor allem die Aufgabe, die Bewu\u00dftseinsvorg\u00e4nge in ihrem eigenen Zusammenhang zu untersuchen.\u00ab (Wundt 1908, S. 2)<\/li>\n<li>Im Gegensatz zur rein gegenst\u00e4ndlich verfahrenden oder objektivierenden Psychologie, die nur Erkenntnismauern um die Liebe aufbauen vermag, hat die Daseinserkenntnis im liebenden Miteinander von Ich und Du ihren eigentlichen Grund und Boden (Binswanger 1942, S. 28)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Diskussion:Psyche&amp;oldid=126684896#Definition_und_Allgemeines\">Wikipedia-Eintrag zur \u203aPsyche\u2039<\/a>\u00a0 versorgt uns mit folgender weiteren nichtssagenden Nominaldefinition:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00bb\u201ePsyche\u201c bezeichnet das System, in dem Wahrnehmen und Denken gr\u00fcnden, also das, worin die affektiven und rationalen Motive unserer Handlungen gr\u00fcnden. \u201eSystem\u201c (Organismus) bezeichnet ein Gebilde, dessen wesentliche Elemente (Teile) so aufeinander bezogen sind, dass sie eine Einheit (ein Ganzes) abgeben.\u00ab (Quelle)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Anhand dieser Beispiele wird deutlich sichtbar, was Dubislav in seiner \u203aDefinition\u2039 \u00fcber die Nominaldefinition zu sagen hat. Er weist darauf hin, <strong>da\u00df man es bei Nominaldefinitionen&#8230;<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>\u201e&#8230;blo\u00df mit willk\u00fcrlichen Benennungen zu tun hat, aus denen allein keine Beschaffenheiten des so willk\u00fcrlich Bezeichneten gefolgert werden k\u00f6nnen.\u201d<br \/>\n&#8211; Dubislav, Walter: Die Definition. S. 7<\/p><\/blockquote>\n<p>Am liebsten m\u00f6chte die Psychologie <em>eine klare Festlegung auf einen bestimmten Gegenstandsbereich vermeiden<\/em>. F.A. Lange verk\u00fcndete die bekannte \u201ePsychologie ohne Psyche\u201d, die Psychologie heute verk\u00fcndet die \u201eTheorie ohne Gegenstand,\u201d wobei, wie oben gesagt, es auch keine Theorie gibt, in welcher der Begriff der Psyche definiert werden w\u00fcrde.<\/p>\n<h4>Der Psyche-Begriff ist eine ideologische Leerformel<\/h4>\n<p>Die Psychologie gibt also von ihrem Forschungsgegenstand nichts anderes als nebul\u00f6se Nominalidefinitionen.<\/p>\n<p>Alles, was damit Aussagen \u00fcber irgendeine Psyche anbelangt ist damit viel zu unbestimmt, um \u00fcberpr\u00fcft werden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Wir haben hieraus zu schlie\u00dfen:<\/strong> <span style=\"text-decoration: underline;\">Ein Psychologe kann an alles Glauben.<\/span><\/p>\n<h4>Legitimation als akademische Disziplin<\/h4>\n<p>Aufgrund der unten angef\u00fchrten Punkte bestreiten wir ganz klar die Legitimit\u00e4t der Psychologie als akademischer Disziplin. Unter den im folgenden dargelegten Voraussetzungen l\u00e4\u00dft sich die Psychologie als akademische Disziplin nicht legitimieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr gew\u00f6hnlich untersuchen Angeh\u00f6rige der selben Disziplin den selben Forschungsgegenstand, also den selben Gegenstandsbereich. Uneinigkeit aber dar\u00fcber, was eigentlich erforscht werden soll, stellt daher ein gro\u00dfes Hindernis zur Herausbildung einer wissenschaftlichen Disziplin dar.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong><em>Ohne Einigung auf <span style=\"text-decoration: underline;\">einen<\/span> Begriff der Psyche ist die Einheit der Disziplin aufgehoben. Effektiv handelt es sich um <span style=\"text-decoration: underline;\">mehrere Wissenschaften.<\/span><br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Solange unter den an Universit\u00e4ten arbeitenden Psychologen also nicht einmal\u00a0 Einigkeit dar\u00fcber zu erreichen ist, welchen Geltungsbereich sie untersuchen, <em>liegen nicht einmal die <span style=\"text-decoration: underline;\">Grundvoraussetzungen<\/span><\/em> f\u00fcr eine Anerkennung der Psychologie als akademische Disziplin vor.<\/p>\n<p><strong>a) Wissenschaft als zeichen-sprachlicher Fachwerkbau<\/strong><\/p>\n<p>Ohne einheitliche Definition des Forschungsgegenstandes beziehungsweise koh\u00e4renter theoretischer Grundlage gibt es keine <strong>kumulative Forschung<\/strong> und folglich liefert die Psychologie <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>\u201eWahrheiten\u201d prinzipiell verschiedener Art<\/em>.<\/span><\/p>\n<p><strong>b) Wissenschaft als T\u00e4tigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Die <span style=\"text-decoration: underline;\">Aufforderung \u201eerforsche!\u201d nicht eindeutig:<\/span> Was sollten die Psychologen mit einer solchen Angabe auch erforschen?<\/p>\n<p>Solange also wie oben bereits gesagt unter den an Universit\u00e4ten arbeitenden Psychologen nicht einmal\u00a0 Einigkeit \u00fcber den Forschungsgegenstand hergestellt werden kann, muss man weiter daraus schlie\u00dfen, da\u00df es der Zahl nach nicht bloss eine Forschungst\u00e4tigkeit\u00a0 gibt, die sich \u201ePsychologie\u201d nennt, sondern der Zahl nach gleich mehrere &#8211; vielleicht sogar eine Anzahl, die kaum mehr abzuz\u00e4hlen oder sinnvoll zu erfassen ist.<\/p>\n<p><em>(Geschweige denn die schier un\u00fcberschaubare Anzahl an Publikationen, die sich aus einer schon un\u00fcberschaubaren Anzahl an Psychologien ergeben muss. Aber das ist an dieser Stelle nur eine Randnotiz.)<\/em><\/p>\n<p>Man muss aber noch weiter schlie\u00dfen, als da\u00df es a) bloss der Zahl nach\u00a0 mehrere Forschungst\u00e4tigkeiten gibt, welche sich als \u201ePsychologie\u201d bezeichnen, sondern, da\u00df es b) im mindesten der Zahl nach\u00a0 mehrere\u00a0Forschungst\u00e4tigkeiten gibt, die willk\u00fcrlich einfach <em>irgendetwas<\/em> erforschen. Und schlimmstenfalls muss man c) schlie\u00dfen, da\u00df es es sich dabei nicht einmal um <em>Forschungs-<\/em>T\u00e4tigkeiten, sondern \u00fcberhaupt bloss noch um <em>irgendwelche<\/em> nicht n\u00e4her bestimmten und bestimmbare <em>T\u00e4tigkeiten<\/em> handelt!<\/p>\n<h4>Klare Festlegung des Anwendungsbereichs und der Aufgaben<\/h4>\n<p>Ohne Festlegung auf einen Forschungsgegenstand und damit auf den spezifischen Bereich, welchen die Auswahl legitimer psychologischer Forschungsthemen umfasst, bleibt ebenso ungekl\u00e4rt, was die eigentlichen Aufgaben der Psychologie sind.<br \/>\nBeziehungsweise, was ihr legitimer Anwendungsbereich ist.<\/p>\n<p>Es ist genau zu kl\u00e4ren, wer, unter welchen Umst\u00e4nden, aus\u00a0 welchem Grund, aufgrund welcher Lehrmeinungen oder Ansichten, mit welchem Ziel, auf welche Art und Weise, mit welchen m\u00f6glichen Ergebnissen und mit welchen Mitteln zum Widerspruch zum Anwendungsbereich psychologischer Wissens- und Handlungsbest\u00e4nde werden kann.<\/p>\n<p>Wenn sie das nicht tut, dann kann zumindest aus wissenschaftstheoretischer Sicht \u201ejeder, jederzeit\u201d zum Gegenstand nicht n\u00e4her bezeichneter psychologischer Handlungen werden. Eine andere Forderung als grenzenlose Ausbreitung kennt die Psychologie ohnehin nicht.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Wir haben hieraus zu schlie\u00dfen:<\/strong> die Psychologie verf\u00fcgt \u00fcber keine Vollzugsgrundlage als wissenschaftliche Disziplin.<\/p>\n<h4>Ein \u00fcbergreifender theoretischer\u00a0 Rahmen als Voraussetzung zur Gegenstandsbestimmung fehlt<\/h4>\n<p>Selbst, wenn die Psychologie ihren Gegenstand bestimmen wollte, so k\u00f6nnte sie es nicht, da sie im\u00a0 theoretischen Vakuum herumdillettiert.<\/p>\n<p>Die Psychologie besitzt keinen \u00fcbergreifenden theoretischen Rahmen. Weil aber die Umgangssprache zu vieldeutig ist, kann nur sinnvoll in einem Axiomensystem definiert werden.<\/p>\n<blockquote><p>Die Angabe einer Definition eines Zeichens setzt also genau so wie die Angabe eines Beweises eines Satzes ein System von Grundvoraussetzungen voraus, hinsichtlich dessen definiert bzw. bewiesen wird.<br \/>\n&#8211; Dubislav, Walter: Definition. s. 33<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach Hilbert hat eine wissenschaftliche Disziplin ein Axiomensystem aufzustellen, aus dem Aussagen, welche unter einer bestimmten Flagge gemacht werden, als Theoreme ableitbar sind.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eWenn es sich darum handelt, die Grundlagen einer Wissenschaft zu untersuchen, so hat man ein System von Axiomen aufzustellen, welche eine genaue und vollst\u00e4ndige Beschreibung derjenigen Beziehungen enthalten, die zwischen den elementaren Begriffen jener Wissenschaft stattfinden.<\/em><\/p>\n<p><em>[&#8230;] jede Aussage innerhalb des Bereiches der Wissenschaft, deren Grundlagen wir pr\u00fcfen, gilt uns nur<\/em><br \/>\n<em>dann als richtig, falls sie sich mittelst einer endlichen Anzahl logischer Schl\u00fcsse aus den aufgestellten Axiomen ableiten l\u00e4\u00dft.\u201d<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8211; David Hilbert: Mahematische Probleme. (Vortrag, gehalten auf dem internationalen Mathematiker-Kongre\u00df zu Paris 1900.) 2. Die Widerspruchslosigkeit der arithmetischen Axiome.<\/p>\n<\/blockquote>\n<h4>Ausserordentliche Behauptungen ohne ausserordentlichen Grundlagenbezug<\/h4>\n<p>Nehmen wir einige Lehrmeinungen, welche die Psychologie dogmatisch als Wahrheiten verkauft. Der sogenannte Wissenschaftsjournalismus, \u00fcbernimmt die Lehrmeinungen regelm\u00e4\u00dfig ungepr\u00fcft und verbreitet sie als Wahrheiten.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Von einem ontologischen oder auch rein logischen Standpunkt aus kann man keine Behauptungen \u00fcber die angeblichen Wirkungen der Seele machen, ohne vorher eine Theorie von der Seele aufgestellt zu haben.<\/p>\n<p>W\u00fcrden also die folgenden Behauptungen &#8211; wie sie immer wieder an verschiedenen Stellen in den Medien auftauchen &#8211; den o.g. wissenschaftstheoretischen Ad\u00e4quatheitskriterien Hilberts gen\u00fcgen, dann m\u00fcsste es sich dabei um <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>Theoreme<\/em><\/span> handeln, die sich aus einem <em>\u00fcbergeordneten Aussagensystem der Psychologie<\/em> <span style=\"text-decoration: underline;\">deduzieren<\/span> liessen.<\/p>\n<blockquote>\n<ol>\n<li>\u00a0Psychische und psychosomatische Erkrankungen betreffen viele Menschen.<\/li>\n<li>Millionen Menschen in Deutschland leiden an Problemen mit der Psyche.<\/li>\n<li>Die Ursache f\u00fcr Krankheit kann in der Psyche liegen<\/li>\n<li>Die Psyche hat Einfl\u00fcsse auf k\u00f6rperliche Erkrankungen wie Bluthochdruck, Migr\u00e4ne, Schwindel, Tinnitus, Diabetes<\/li>\n<li>Wenn die Seele leidet, leidet auch der K\u00f6rper. Psychische Probleme \u00e4u\u00dfern sich deshalb oft in k\u00f6rperlichen Beschwerden.<\/li>\n<li>Schmerz und Psyche sind eng miteinander verwoben<\/li>\n<\/ol>\n<\/blockquote>\n<p>Jeder Satz eines deduktiven Systems mu\u00df sich entweder aus einer bestimmten Gruppe von S\u00e4tzen des Systems (den Grunds\u00e4tzen) in endlich vielen, durch die Ableitungsregeln zugelassenen formalen Deduktionsschritte deduzieren (\u201ebeweisen\u201d) lassen &#8211; oder er mu\u00df selbst einer dieser Grunds\u00e4tze sein.<\/p>\n<p>Oder umgekehrt formuliert:<br \/>\nAlle wohlgeformten Theoreme eines wissenschaftliches Systems sowie dessen wissenschaftlich g\u00fcltig abgeleiteten Begriffe m\u00fcssen\u00a0 vollst\u00e4ndig auf die Grundbegriffe zur\u00fcckf\u00fchrbar sein.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Wir haben also zu urteilen<\/strong>\u00a0 <em>Keine einzige<\/em> dieser wilden Behauptungen gen\u00fcgt den oben genannten Anspr\u00fcchen der Wissenschaftstheorie. Deswegen handelt es sich um dogmatische Lehr<em>meinungen<\/em> und nicht Lehr<em>s\u00e4tze<\/em>.<\/p>\n<p>Worum es sich hierbei handelt sind, qua fehlendem theoretischen Rahmen, lediglich <strong>unpr\u00fcfbare Zusammenhangsvermutungen <\/strong>zwischen<strong> uninterpretierbaren begriffen.<\/strong><\/p>\n<h4>Der Sprachgebrauch setzt den \u201ePsyche\u201d-Begriff einfach unkritisch voraus<\/h4>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">In jeder Aussage \u00fcber die \u203aPsyche\u2039<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\"> ist immer eine<\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">petitio principii mit einer <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\"><i>implizite<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\"><i>n<\/i><\/span><\/span><i> <\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\"><i>Existenzbehauptung <\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">vorhanden, die man logisch folgenderma\u00dfen formalisieren k\u00f6nnte\u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u2203x (P(x) <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">\u2227 <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">Q(x))<\/span><\/span><\/p>\n<p>(In Umgangssprache: \u201eEs existiert eine Psyche und&#8230;<span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">\u201d)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">Bei Q<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">(x) kann es sich zum Beispiel um das Pr\u00e4dikat handeln: \u201e&#8230;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">diese hat einen Einfluss auf den K\u00f6rper.\u201d <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">In dem Fall<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\"> h<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">\u00e4tten<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\"> wir neben der Existenzbehauptung \u00fcber das Subjekt noch eine weitreichende willk\u00fcrliche Behauptung im Pr\u00e4dikat in der zweiten Teilaussage.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">Auf diese Weise werden unz\u00e4hlige Aussagen ohne jeden Beweis produziert.<\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\"><strong>Wir haben zu schlie\u00dfen<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p>Es d\u00fcrfen weder die Existenz einer Psyche noch ihre angeblichen Verm\u00f6gen als <strong>selbst-evident<\/strong> hingenommen werden. Die Begriffe sind g\u00fcltig zu bestimmen und die Zusammenhangsbehauptungen zu beweisen.<\/p>\n<p><em>Nichts, was mit der \u201ePsyche\u201d und ihren angeblichen Verm\u00f6gen zu tun hat, versteht sich von selbst.<\/em><\/p>\n<p>Die Explikation\u00a0 des Begriffs Psyche<\/p>\n<p>Solange die Psychologen nicht ehrlich mit der Sprache herausr\u00fccken, was sie mit \u201ePsyche\u201d meinen, ist es nicht sinnvoll oder auch nur <em>m\u00f6glich<\/em>, sich mit ihren obskuren Spekulationen \u00fcber die Seele \u00fcberhaupt auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Die Psychologie ist vorl\u00e4ufig ein Projekt und nichts weiter. <u>Ob<\/u> dieses Projekt realisierbar ist oder nicht, wird sich erst zeigen, wenn es ihr gelingt, die G\u00fcltigkeit ihrer <em>Existenzbehauptung<\/em> nachzuweisen.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Roboto Slab;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Praxisorientierung, <span style=\"font-family: Titillium Web;\">Betaetigungsdrang<\/span> und fehlender Theoriebezug<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Titillium Web;\">Die Psychologie ist eine im Prinzip ausschlie\u00dflich <b>praxisorientierte<\/b> Disziplin, die mit <b>abenteuer-hungrigem Betaetigungsdrang<\/b> eine <b>Praxis ohne Fundament.<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"left\">Ad\u00e4quaterweise sei bei jeder Wissenschaft zun\u00e4chst festzustellen,<\/p>\n<ol>\n<li>um was f\u00fcr eine Art von Wissenschaft es sich handelt und welcher Vorgehensweise sie sich bedient, (\u201e<em>prius oportet cognoscere modum scientiae&#8230;\u201d<\/em>)<\/li>\n<li>bevor man sich an die Erkenntnis der Gegenst\u00e4nde machen kann, von denen die Wissenschaft handelt (\u201c&#8230;<em>quam procedere in scientia ad ea consideranda de quibus est scientia\u201d<\/em>).<\/li>\n<\/ol>\n<p align=\"left\">Peter Atteslander findet harte Worte f\u00fcr eine derartige Praxisorientierung auf Kosten des Theoriebezuges, wie er in der Psychologie vorherrschend ist.<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"left\">Empirismus in diesem Sinne ist entweder Unverst\u00e4ndnis der Kriterien der empirischen Sozialforschung oder mehr oder minder bewusster Missbrauch. Er liegt immer dann vor, wenn ein Theoriebezug nicht nachvollziehbar ist [&#8230;] und wenn empirisch zusammengestellte Daten f\u00e4lschlicherweise unter dem Etikett der Wissenschaftlichkeit verwertet werden.<\/p>\n<p>&#8211; Peter Atteslander: Methoden der empirischen Sozialforschung, S. 6<\/p><\/blockquote>\n<p align=\"left\">Das blinde und unreflektierte Anwenden von Kochrezepten aus dem wissenschaftstheoretischen Methodenfundus, wie er in der Psychologie betrieben wird, kann mit gutem Gewissen unter den Begriff der Cargo Cult Science subsumiert werden!<\/p>\n<p align=\"left\">Wir werden an geeigneter Stelle noch einmal auf das psychologische Experiment im Rahmen des Empiristischen Programmes zur\u00fcckkommen.<\/p>\n<h4 align=\"left\">Psychosomatik: Ein plausibler Wirkmechanismus fehlt<\/h4>\n<p align=\"left\">Ein <strong>Sonderfall<\/strong> des o.g. Aktionismus ist die Psychosomatik. Die \u00fcbergreifende Theorie, welche die Psychologie eben <span style=\"text-decoration: underline;\"><em>nicht<\/em><\/span> vorweisen kann, enth\u00e4lt dann schlie\u00dflich auch <em><span style=\"text-decoration: underline;\">kein<\/span><\/em> plausibles Wirkprinzip (das ungel\u00f6ste Leib-Seele-Problem) f\u00fcr die Aussagen der Psychosomatik.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong><em>Die Psychosomatik ist ein Beispiel daf\u00fcr, wie die Psychologie ohne theoretische Fundierung einfach so drauflos praktiziert.<\/em><\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">(Die Leute werden es schon akzeptieren. Die Psychologie hat einen <em>free-pass<\/em> und kann sich alles erlauben.)<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Der Wert psychosomatischer Forschungsergebnisse<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Kann man psychosomatischen Forschungsergebnissen \u00fcberhaupt einen Wert zusprechen?<\/p>\n<p align=\"left\">Da ein theoretisch fundierter plausibler Wirkmechanismus fehlt, ist f\u00fcr die \u201eForschungsergebnisse\u201d der Psychosomatik der gleiche Umgang zu fordern wie mit denen der Hom\u00f6opathie:<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"left\">\u201eThus, until homeopathy&#8217;s apologists can supply a plausible (nonmagical) mechanism [&#8230;] Any study claiming to demonstrate effectiveness of a homeopathic medication should be rejected out-of-hand\u201d<br \/>\n\u2013 quackwatch.org<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"left\">Was berechtigt n\u00e4mlich mangels <em>von einer Theorie abgeleiteten Prognose<\/em> dazu, Beobachtungsmaterial in dieser oder jener Weise zu deuten?<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\">Wir werden auf den fehlenden Theoriebezug im psychologischen Experiment noch an geeigneter Stelle zu sprechen kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: \u201eDie Psychologie ist ein besonders sicherer Typ von Wissen\u201d Wir betrachten zur Einleitung das offizielle Narrativ, mit welchem die Psychologie gerne im Disziplin-Aussen-Verh\u00e4ltnis auftritt. erstens: Fundamentalwissenschaft Das offizielle Narrativ schildert die Psychologie weniger als Einzelwissenschaft, denn viel mehr als Fundamentalwissenschaft, die den anderen Disziplinen an Sicherheit und Leistungsf\u00e4higkeit voransteht, gewisserma\u00dfen sogar deren Grundlage bilde, &hellip; <a href=\"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/grundlagen-der-psychologie\/die-gegenstandsfrage-in-der-psychologie\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Die Gegenstandsfrage in der Psychologie<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-257","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-grundlagen-der-psychologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/257"}],"collection":[{"href":"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=257"}],"version-history":[{"count":63,"href":"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/257\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":368,"href":"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/257\/revisions\/368"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=257"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=257"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=257"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}