{"id":42,"date":"2015-05-13T15:16:34","date_gmt":"2015-05-13T15:16:34","guid":{"rendered":"http:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/?p=42"},"modified":"2016-03-03T16:27:51","modified_gmt":"2016-03-03T16:27:51","slug":"funktionale-stoerung-krankheit-die-keine-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/horatiohufnagel.lima-city.de\/wordpress\/psychologie\/funktionelle-stoerung\/funktionale-stoerung-krankheit-die-keine-ist\/","title":{"rendered":"Funktionelle St\u00f6rung: \u201eKrankheit, die keine ist\u201d"},"content":{"rendered":"<h3>Einleitung<\/h3>\n<p>Die Medizin behauptet die Existenz einer Patientengruppe von \u201eeingebildeten Kranken.\u201d Bei diesen handele es sich um Patienten, bei denen die Medizin bereits \u201ealle\u201d Untersuchungen ohne Ergebnis durchgef\u00fchrt habe, so dass folglich \u201ekeine andere Erkl\u00e4rung\u201d \u00fcbrig bliebe, als dass die Beschwerden \u201epsychogen\u201d sein m\u00fcssten. Derart sieht das logische Schliessen in diesen F\u00e4llen aus.Getragen wird dieser logische Schluss durch ein psychologisches Konstrukt, dessen typischen Merkmale wir an dieser Stelle beschreiben wollen.<\/p>\n<p>Wir nehmen daf\u00fcr u.a. Bezug auf<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Leitlinie<\/strong>\n<div data-canvas-width=\"650.2622\">Umgang mit Patienten mit nicht<\/div>\n<div data-canvas-width=\"657.4232\">spezifischen, funktionellen und<\/div>\n<div data-canvas-width=\"731.8976000000001\">somatoformen K\u00f6rperbeschwerden<br \/>\n(<a href=\"http:\/\/www.awmf.org\/uploads\/tx_szleitlinien\/051-001l_S3_Nicht-spezifische_funktionelle_somatoforme_Koerperbeschwerden_2012-04.pdf\">link<\/a>)<\/div>\n<\/li>\n<\/ol>\n<h4>1 Typische Charakterisierung von Patienten mit \u00bbNicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Koerperbeschwerden\u00ab<\/h4>\n<blockquote><p>1. \u201ePatienten, die fortgesetzt \u00fcber allerlei k\u00f6rperliche Beschwerden klagen, ohne dass dem eine erkennbare Erkrankung zugrunde liegt<\/p>\n<p>2. \u201eklagt fortgesetzt \u00fcber k\u00f6rperlichen* Beschwerden, obwohl\u201d die Routinediagnostik \u201eohne Befund\u201d verl\u00e4uft.<\/p>\n<p>3. \u201ewiederholte Darbietung k\u00f6rperlicher\u00a0 Symptome in Verbindung mit hartn\u00e4ckigen Forderungen nach medizinischen Untersuchungen trotz wiederholter negativer Ergebnisse.\u201d<\/p>\n<p><strong>4. \u201eMi\u00dfverh\u00e4ltnis zwischen Klagen und Befunden\u201d<\/strong><\/p>\n<p>5. Patients <strong>complaining<\/strong> of pain and\/or fatigue <strong>in the absence of<\/strong> known physical diseases<\/p><\/blockquote>\n<p>* Mit dem Attribut \u201ak\u00f6rperlich\u2019 deutet der Mediziner \u2013 es handelt sich dabei um Relationsbegriffe wie \u201arechts\u2019 und \u201alinks\u2019 &#8211; bereits an, dass es sich in Wahrheit um das Gegenteil von \u203aorganischen\u2039 Beschwerden, n\u00e4mlich um \u203apsychosomatische\u2039 oder \u203aimmaterielle\u2039 Beschwerden handelt. Die Attribute werden nirgendwo eingef\u00fchrt, der Sprachgebrauch setzt das Verst\u00e4ndnis unkritisch voraus.<\/p>\n<h4>2. K\u00f6rperbeschwerden als prim\u00e4re (psychiatrische) Symptomatik: Woran erkennt man die \u201aFunktionale St\u00f6rung\u2019?<\/h4>\n<p>Ziel des Konstruktes der \u201eFunktionalen-St\u00f6rung\u201d ist nicht die psychosomatische Weltausdeutung schlechthin, wenngleich es die Bem\u00fchungen der entsprechenden Eiferer gerne zu seinem Fundament nimmt. Sie ist eine Teilmenge der \u201ebiopsychosozialen\u201d Kampfbegriff-Theorie (welcher\u00a0 ihrerseits das Ziel der aggressiven weltauslegerischen Expansion allerdings eignet.)<\/p>\n<p>Mit Diagnosen wie \u201eF45.0 Somatisierungsst\u00f6rung\u201d soll in der Hauptsache das Ph\u00e4nomen der \u201eungekl\u00e4rten Symptomatik\u201d aus der Medizin zu einer eigenst\u00e4ndigen Krankheit der Psychologie transformiert werden. Es braucht also nicht einmal eine eigene psychiatrische Grunderkrankung wie eine Depression begr\u00fcndet zu werden, als deren Folge etwa die \u201epsychosomatischen\u201d Symptome erst auftreten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die Leitlinie spricht deshalb von <strong>\u00bbK\u00f6rperbeschwerden als prim\u00e4rer Symptomatik.\u00ab<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Noch offensichtlicher k\u00f6nnten die Anh\u00e4nger kaum sagen, da\u00df es ihnen um die Erledigung des Problems schwer zu diagnostizierender Symptomatiken geht.<\/p>\n<p>Es ist verst\u00e4ndlich, dass sich aus diesem Fehlen eigentlicher psychiatrischer Symptome die nicht zu untersch\u00e4tzende Schwierigkeit ergibt, dieses Konstrukt noch sinnvoll zu bezeichnen. Das Konstrukt greifen und benennen zu wollen ist wie einen Pudding an die Wand schlagen zu wollen. Dadurch wird Kritik behindert. Der Stereotyp vom \u201eEingebildeten Kranken\u201d tritt in immer neuen Konstrukten unter immer neuen Namen auf. Entzieht sich. Die psychiatrischen Konstrukte unter denen der Stereotyp auftritt sind stets <span style=\"text-decoration: underline;\">zeitlich begrenzt<\/span> (\u201eModebegriffe\u201d) und werden per <span style=\"text-decoration: underline;\">Mehrheitsbeschluss<\/span> (\u201eBinnenkonsens\u201d) als sogenannte Syndrome ratifiziert. Das einzig Bleibende an ihm scheint die Paradoxie: \u201eKrankheit, die keine ist\u201d, oder wie Erich K\u00e4stner sagte: \u201eMigr\u00e4ne sind Kopfschmerzen, wenn man keine hat.\u201d Wir werden weiter unten bei den \u201eatypischen Depressionen\u201d noch zwei weitere Paradoxien kennenlernen.<\/p>\n<p>Es ist verst\u00e4ndlich, dass sich aus diesem Fehlen eigentlicher psychiatrischer Symptome hinzukommt, dass psychiatrische Terminologie der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Euphemismus-Tretm%C3%BChle\">Euphemismustretm\u00fchle<\/a> unterliegt, weil der diskriminierende Gehalt und die damit verbundene geringe Akzeptanz der Diagnosen bei den Patienten aus Sicht der jeweiligen Erfinder ein blo\u00dfes Mi\u00dfverst\u00e4ndnis darstellt, welchem sie durch das immer neue Einf\u00fchren immer neuer Terminologien vergeblich Abhilfe zu schaffen suchen.<\/p>\n<p>Das Konstrukt greifen und benennen zu wollen ist wie einen Pudding an die Wand schlagen zu wollen. Der Stereotyp vom \u201eEingebildeten Kranken\u201d tritt in immer neuen Konstrukten unter immer neuen Namen auf. Entzieht sich. Die psychiatrischen Konstrukte unter denen der Stereotyp auftritt sind stets zeitlich begrenzt (\u201eModebegriffe\u201d) und werden per Mehrheitsbeschluss (\u201eBinnenkonsens\u201d) als sogenannte Syndrome ratifiziert. Dadurch wird Kritik deutlich behindert. Das einzig Bleibende an ihm scheint die Paradoxie: \u201eKrankheit, die keine ist\u201d, oder wie Erich K\u00e4stner sagte: \u201eMigr\u00e4ne sind Kopfschmerzen, wenn man keine hat.\u201d Wir werden bei den \u201eatypischen Depressionen\u201d noch zwei weitere Paradoxien kennenlernen.<\/p>\n<p>Die Schwierigkeit besteht also in der Bestandsaufnahme von f\u00fcr den Stereotyp zum jetzigen Zeitpunkt spezifischen Auspr\u00e4gungen.<\/p>\n<h5>2.1 Welche Terminologie benutzt der Stereotyp der sogenannten \u201eFunktionellen St\u00f6rung\u201d f\u00fcr sich selbst?<\/h5>\n<p>Die Leitlinie verwendet durchg\u00e4ngig die festgepr\u00e4gte Formulierung \u201eNicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Koerperbeschwerden\u201d<\/p>\n<h5>2.2 Welche DSM\/ICD-10 Diagnosen sind komtempor\u00e4r relevant?<\/h5>\n<p>Die Hypochondrie muss hier eigentlich an erster Stelle genannt werden, denn sie hat sich am l\u00e4ngsten gehalten und ist ikonisch f\u00fcr den Stereotyp &#8211; ohne dass dieser aber auf jene Diagnose reduziert sei. Die \u201eDiagnose\u201d Hypochondrie beschreibt die &#8220;falsche \u00dcberzeugung, krank zu sein.&#8221;<\/p>\n<p>Die <strong>Tabelle 3.1<\/strong> der Leitlinie listet folgende Diagnosen aus \u201ePsychosomatischer Medizin\u201d,\u00a0 \u201ePsychiatrie\u201d sowie der \u201eKlinischen und Medizinischen Psychologie\u201d <strong>als f\u00fcr diesen Kontext relevant<\/strong> auf.<\/p>\n<ol>\n<li>Somatisierungsst\u00f6rung<\/li>\n<li>Undifferenzierte Somatisierungsst\u00f6rung<\/li>\n<li>Somatoforme autonome Funktionsst\u00f6rung<\/li>\n<li>Anhaltende somatoforme Schmerzst\u00f6rung<\/li>\n<li>Chronische Schmerzst\u00f6rung mit somatischenund psychischen Faktoren<\/li>\n<li>Hypochondrische St\u00f6rung<\/li>\n<li>Dissoziative St\u00f6rungen der Bewegung und Empfindung (Konversion)<\/li>\n<li>(Nicht wahnhafte) K\u00f6rperdysmorphe St\u00f6rung<\/li>\n<li>Neurasthenie<\/li>\n<li>\u201elarvierte\u201c oder \u201esomatisierte\u201c Depression<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">Auch wenn die Leitlinie nur die larvierte Depression, nicht aber die F41.1 (Generalisierte) Angstst\u00f6rung auflistet, geh\u00f6rt sie unserer Meinung nach dennoch zu den relevanten Diagnosen. (Siehe unten)<\/p>\n<p>Die <strong>Tabelle 5.1<\/strong>: Aktuelle Klassifikation somatoformer St\u00f6rungen nach ICD-10 bietet noch eine genauere Auflistung mit Nennung der Diagnoseschl\u00fcssel.<\/p>\n<p>14. Nichts h\u00e4lt ahnungslose \u00c4rzte in der Praxis davon ab, unbekannte Symptome schon einmal Psychosen (\u201eWahngebilde\u201d) zu diagnostizieren (diagnostizieren zu lassen) aber das ist nicht unbedingt spezifisch f\u00fcr den Stereotyp der \u201eNicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Koerperbeschwerden.\u201d<\/p>\n<h4>3. Charakterisierung der Beschwerden: \u201eMedizinisch nicht erkl\u00e4rbar\u201d<\/h4>\n<blockquote><p>1. \u201eBefindlichkeitsst\u00f6rungen, die sich medizinisch nicht begr\u00fcnden lassen\u201d<\/p>\n<p>2. \u201eAnomalie ohne organisches Korellat\u201d sowie \u201ek\u00f6rperliche Symptome, f\u00fcr die es keine befriedigende organische Erkl\u00e4rung gibt\u201d<\/p>\n<p>3. \u201eSomatisch\u00a0 nicht\u00a0 hinreichend\u00a0 erkl\u00e4rte K\u00f6rperbeschwerden\u201d<\/p>\n<p>4. \u201emedically unexplained\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p>Formulierungen dieser Art sind <span style=\"text-decoration: underline;\">das charakteristischste St\u00fcck Terminologie<\/span> des Konzepts \u203aNicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Koerperbeschwerden\u2039. Es gibt bloss ein gravierendes Problem mit ihnen: in ihnen ist das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Induktionsproblem\">Induktionsproblem<\/a> klar und deutlich erkennbar. Karl Popper definiert den Induktionsschluss folgenderma\u00dfen<\/p>\n<blockquote><p>Als induktiven Schlu\u00df oder Induktionsschlu\u00df pflegt man einen Schlu\u00df von besonderen S\u00e4tzen, die z. B. Beobachtungen, Experimente usw. beschreiben, auf allgemeine S\u00e4tze, auf Hypothesen oder Theorien zu bezeichnen<\/p><\/blockquote>\n<p>Das oben genannte Induktionsproblem bezeichnet<\/p>\n<blockquote><p>die Untauglichkeit des induktiven Schliessens f\u00fcr die Wissenschaft. Die Verifikation einer Theorie wie \u201eAlle Schw\u00e4ne sind wei\u00df\u201d kann nicht durch singul\u00e4re Beobachtungen erfolgen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die genannten Beispiels\u00e4tze verallgemeinern nun von der blossen medizinischen \u201eUngekl\u00e4rtheit\u201d einer Erkrankung zu einer Gattung der angeblichen \u201emedizinischen Unerkl\u00e4rbarkeit\u201d schlechthin.<\/p>\n<p>Formulierungen dieser Art stellt die modale Behauptung auf, da\u00df eine medizinische Erkl\u00e4rung der beklagten Beschwerden auch mittelbar nicht gegeben werden k\u00f6nne.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir erlauben uns, den Gehalt der Charakterisierung der Beschwerden folgenderma\u00dfen als Hypothese zusammenzufassen<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201eEs l\u00e4sst sich kategorisch kein organisches Korrelat zu den ge\u00e4usserten Beschwerden finden.\u201d<\/p>\n<p>Das ist der Versuch eines Negativ-Beweises durch Induktion. Aber es gilt: \u201eYou can&#8217;t prove a negative.\u201d Die Hypothese des Nicht-Vorhandensein von etwas ist bloss die logische Umformung der positiven Hypothese vom ausschlie\u00dflich Vorhandensein von etwas wo die Verifikation angeblich durch die Feststellung der Abwesenheit von etwas erfolgt. Etwa die These: \u201eEs gibt den Weihnachtsmann nicht.\u201d Keine Serie von singul\u00e4ren S\u00e4tzen (\u201eich sehe keinen Weihnachtsmann\u201d) wird jemals zur Verifikation dieser Hypothese ausreichen. Denn:<\/p>\n<blockquote><p>Wir m\u00fc\u00dften gleichfalls die ganze Welt absuchen, um dann sagen zu k\u00f6nnen, da\u00df es etwas nicht gibt.<\/p>\n<p>\u2015 Karl Popper: Logik der Forschung, s. 40<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Anh\u00e4nger der Theorie von der \u201eFunktionellen St\u00f6rung\u201d aber m\u00f6chte aus einer negativen Momentaufnahme induzieren, da\u00df sich der Patient alles nur einbildet.<\/p>\n<h4>3.1 Ad-hoc Hypothese<\/h4>\n<p>Die Leitlinie sagt nicht, warum es \u00fcberhaupt wahrscheinlicher sein sollte, da\u00df ein solches Gebilde existiert, wie es hier vorgeschlagen wird, als da\u00df schlicht und einfach die Unkenntnis der Medizin oder des einzelnen Mediziner das Ausbleiben einer richtigen Diagnose erkl\u00e4rt. Dies w\u00e4re nach Occam&#8217;s Razor die einfachste Erkl\u00e4rung. Alleine schon aus dem Grund muss sich die Diagnose den Hinweis gefallen lassen, da\u00df sie voll und ganz den Charakter einer un\u00f6konomischen, zus\u00e4tzlichen ad-hoc Hypothese hat.<\/p>\n<h4 class=\"western\"><b>4 Der Zirkelschluss der Diagnosekriterien von F45.0 Somatisierungsst\u00f6rung<\/b><\/h4>\n<p class=\"western\">Der Diagnose F45.0 unterliegt unverkennbar ein Zirkelschluss. Es kommt in die Pr\u00e4missen der Argumentation schon das hinein, was dann als gefolgerte These wieder herauszuholen ist.<\/p>\n<p class=\"western\">Beweisen m\u00f6chte man gerne die Konklusion:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"western\">\u201eDiese <i>nur scheinbar<\/i> k\u00f6rperliche Symptomatik ist <i>in Wahrheit<\/i> psychosomatisch\u201d.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"western\">Die Diagnosekriterien enthalten als Pr\u00e4missen aber bereits die Aussage<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"western\">\u201eungekl\u00e4rte medizinische Krankheit alleine ist bereits ein psychologisches Symptom\u201d&#8230;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"western\">\u00c4hnlich wie ein Taschenspieler etwa Uhren oder Kaninchen aus einem Zylinderhut hervorzaubert, nachdem er sie vorher heimlich hineinpraktiziert hat.<\/p>\n<h5 class=\"western\"><\/h5>\n<h4>4.1 F32.8 Larvierte Depression und andere \u201eatypische\u201d St\u00f6rungen sowie F41.1 (Generalisierte) Angstst\u00f6rung<\/h4>\n<p class=\"western\">Ebenso logisch fehlerhaft wie die Definitionen der <i>Somatisierungsst\u00f6rung<\/i> sind die Definitionen der Konstrukte \u201elarvierte Depression\u201d und \u201eGeneralisierte Angstst\u00f6rung\u201d.<\/p>\n<p class=\"western\">Sie verletzen eine ganz wesentliche Forderung an wissenschaftliche Hypothesen:<\/p>\n<blockquote><p>Ein empirisch-wissenschaftliches System mu\u00df an der Erfahrung scheitern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u2015 Karl Popper: Logik der Forschung, s. 15<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"western\">Grundlage f\u00fcr Wissenschaftlichkeit sind <b>Falsifizierungskriterien<\/b>\u00b9. Diese fehlen hier nicht etwa aus \u201ePfusch\u201d o.\u00e4., sondern <i>per Definition<\/i>. Aus Absicht. Die Aussage ist, da\u00df gerade das <i>Fehlen<\/i> von \u201etypischen\u201d Kriterien auf irgendeine seltsame Art \u201etypisch\u201d sei. Nat\u00fcrlich: Untypische Verl\u00e4ufe gibt es immer. Aber es braucht Chuzpe um diese Charakteristik zum <i>definiens<\/i> zu erheben.<\/p>\n<p>\u2013 Kurz und knapp: Eine Diagnose ohne \u00fcberpr\u00fcfbare Kriterien, die mit keiner m\u00f6glichen Tatsache mehr kollidieren kann, kann schlichtweg nicht wissenschaftlich sein.<\/p>\n<p>Typisch f\u00fcr die Generalisierte Angstst\u00f6rung ist ebenso wie f\u00fcr die \u201elarvierte Depression\u201d das fehlende Falsifikationskriterium. Weil nicht anggebbar ist, \u201ewovor?\u201d die Person angeblich \u201eAngst\u201d hat, \u201eworauf?\u201d sich die Angst angeblich bezieht \u2013 und sich darum auch nicht ausschliessen l\u00e4sst &#8211; hat das Konstrukt die paradoxe Formulierung der \u201eAngst vor der Angst\u201d etabliert.<\/p>\n<p>In der Formulierung des \u201etypischerweise Untypischen\u201d haben wir eine \u00e4hnlich paradoxe Reduplikation wie in der &#8220;Angst vor der Angst&#8221;<\/p>\n<h1 class=\"western\"><span style=\"font-family: Liberation Mono,monospace;\"><span style=\"font-size: small;\"> ___________________________________________________________________________ \u00b9<b><a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20130701095348\/http:\/\/www.stephenjaygould.org\/ctrl\/popper_falsification.html#see\"><span style=\"font-size: xx-small;\">https:\/\/web.archive.org\/web\/20130701095348\/http:\/\/www.stephenjaygould.org\/ctrl\/popper_falsification.html#see<\/span><\/a><\/b><\/span><\/span><\/h1>\n<h3>5 Der Begriff \u201efunktionell\u201d: Ein verschleierter Hylomorphismus<\/h3>\n<p>(Statement 6 der Leitlinie)<\/p>\n<p>Das Narrativ arbeitet mit dem Begriffsgegensatz \u203afunktionell\u2039 und \u203astrukturell\u2039. Der Begriff \u203afunktionell\u2039 behauptet schlechterdings, da\u00df ein Organ in seiner \u203aFunktion\u2039 beeintr\u00e4chtigt ist, ohne da\u00df Ver\u00e4nderungen der \u203aStruktur\u2039 erkennbar sind.<\/p>\n<p>Der Gedanke an sich ist erkennbar absurd.<\/p>\n<p>Aber die Differenzierung \u203afunktionell\u2039 und \u203astrukturell\u2039 ist schlie\u00dflich nichts weiter als eine d\u00fcnne und untaugliche <strong>Bem\u00e4ntelung <\/strong>f\u00fcr einen<strong> Uralt-Hylomorphismus<\/strong>. Die W\u00f6rter \u201efunktionell\u201d und \u201estrukturell\u201d sind absichtlicher Namensirrtum. Wovon eigentlich die Rede ist, das sind Form (Seele) und Materie. Und der <span style=\"text-decoration: underline;\">Materie-Begriff<\/span> nun<span style=\"text-decoration: underline;\">, <\/span>welchen der besagte Hylomorphismus des \u201eFunktionelle St\u00f6rung\u201d-Topos offenbart, <span style=\"text-decoration: underline;\">ist nicht mehr als gleichg\u00fcltiges Substrat<\/span> f\u00fcr eine <span style=\"text-decoration: underline;\">Form.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<div data-canvas-width=\"110.34020000000002\">Der Begriff deutet an, dass \u00fcberwiegend die Funktion, nicht die Struktur, eines Organ(system)s (z.B. des Herzens bei Herzbeschwerden, des Darms bei Verdauungsst\u00f6rungen) bzw. der zentralnerv\u00f6sen Verarbeitung von Beschwerdewahrnehmungen gest\u00f6rt scheint.<\/div>\n<\/blockquote>\n<p>Man muss hier schon von dem klassischen Kategorienfehler (Gilbert Ryle) sprechen. Ein <em>Beispiel<\/em> offenbart den Denkfehler, den die Anh\u00e4nger des \u201eFunktionelle St\u00f6rung\u201d-Topos machen. Angenommen jemand kauft sich ein \u201ePaar Handschuhe.\u201d Die \u201eStruktur\u201d des Organs betrachten die Anh\u00e4nger der Theorie in unserem Beispiel als einen <em>linken<\/em> und einen <em>rechten<\/em> Handschuh. Die \u201eFunktion\u201d aber w\u00fcrden sie in dem Beispiel als ein \u201ePaar von Handschuhen\u201c betrachten, das &#8211; und hier liegt ihr Denkfehler &#8211; <span style=\"text-decoration: underline;\">verschieden<\/span> von dem linken und dem rechten Handschuh ist, <span style=\"text-decoration: underline;\">welche sie doch bereits haben<\/span>. Sodass sie in der Summe 1x einen <em>linken Handschuh<\/em>, 1x einen <em>rechten Handschuh<\/em> und 1x ein <em>Paar Handschuhe<\/em> h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Das Ganze wird sich vorgestellt als ein weiterer Bestandteil neben den Teilen, die es konstituieren. Oder anders gesagt: Es findet eine Verdoppelung statt.<\/p>\n<p>Aus diesem Denkfehler leiten sie schlie\u00dflich die n\u00f6tige Unabh\u00e4ngigkeit von &#8211; in ihrer Sprache &#8211; der \u201eFunktion\u201d und der \u201eStruktur\u201d des Organs ab, um bei intakter Struktur den Funktionsdefekt zu behaupten.<\/p>\n<p>Der Hylomorphismus, den wir im Kernbegriff des \u201eFunktionelle St\u00f6rung\u201d-Topos\u00a0 offengelegt haben, kennt \u00fcbrigens gar keinen Funktionsbegriff.<\/p>\n<p>Damit ist ein weiteres Mal die begriffliche Armut und fehlende Begr\u00fcndungskraft des Narrativs dargelegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Die Medizin behauptet die Existenz einer Patientengruppe von \u201eeingebildeten Kranken.\u201d Bei diesen handele es sich um Patienten, bei denen die Medizin bereits \u201ealle\u201d Untersuchungen ohne Ergebnis durchgef\u00fchrt habe, so dass folglich \u201ekeine andere Erkl\u00e4rung\u201d \u00fcbrig bliebe, als dass die Beschwerden \u201epsychogen\u201d sein m\u00fcssten. 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